Der
Statthalter hatte sich inzwischen wieder gefangen, und das Gespräch
glitt zurück in halbwegs geordnete Bahnen – soweit man beim Thema Wildpinkler und grüne Rauchwolken überhaupt von Ordnung sprechen kann.
Sir Primus fuhr sich durch den Bart, stemmte sich auf die Zehenspitzen und erklärte mit empörter Stimme: Er habe einen Jungen dabei erwischt, wie dieser „ein Bild auf den Boden strullert“. Sir Levi hob eine Braue. „Und Ihr habt zugesehen?“, „Natürlich nicht, Sir Levi!“, protestierte Primus sofort.
Cani
blinzelte irritiert. „Ein Junge?“, „Er war gerade dabei, als ich mich
unauffällig heranpirschte…“, erklärte Primus weiter – wobei seine
Darstellung des „unauffälligen Pirschens“ vermutlich eher nach einem
aufgeregten Wildschwein im Unterholz klang. Ich konnte mir ein kurzes
Lachen nicht verkneifen.
Doch dann wurde es seltsam: „Er ist plötzlich in einer grünen Wolke verschwunden und war dann weg!“, rief Primus, der offenbar noch immer nicht verstand, was da eigentlich passiert war. „Ihr habt also weggeguckt“, stellte Sir Levi nüchtern fest. „Ich hab nicht hingeguckt!“, widersprach Primus reflexartig.
Frekya
hingegen stellte fest: „Das ist aber nicht fein, anderen beim
Pipinieren zuzusehen.“ Ich beugte mich zu Cani hinüber und raunte: „Doch
zu tief in den Becher geschaut…“, „ICH bin nicht betüttelt!“, keifte
der Statthalter sofort zurück. Sir Levi meinte trocken: „Kein Wunder,
dass Ihr ihn nicht schnappen konntet, wenn Ihr nicht hingeguckt habt.“
Cani nickte kaum merklich und flüsterte zu mir: „Vielleicht total
verschlafen und hat geträumt.“
Aber
Primus zeigte plötzlich auf mich. „Ihr!“ Ich setzte meinen
unschuldigsten Blick auf. „Die Geldgier hat ihm wieder einen Streich
gespielt…“, murmelte ich zu Cani, bevor ich laut sagte:
„Was ich? Also ehrlich… um Euch
einen Streich zu spielen, würde ich doch niemand anderes benutzen!
Meine Methoden sind da anders!“ Ich grinste so breit, dass der
Statthalter kurz wirkte, als wolle er rückwärts stolpern.
„Pah!“,
erwiderte Primus. Frekya mischte sich ein: „Ich habe am Marktstand
letztens so einem ein Mittelchen verkauft, das hilft, wenn… na, Ihr
wisst schon… der Druck nachlässt.“ Cani prustete los, als sie mein
Grinsen sah. „Euch habe ich immer direkt brüskiert!“, rief ich Primus
zu. „Und das wird sich auch nicht ändern!“, „Ich lass mich doch nicht
veräpfeln!“, beharrte er.
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| Veräpfeln? |
„Der war aber schon alt“, kommentierte Frekya, offenbar noch beim Thema „Druckmittel“. Schließlich grummelte Primus: „Ich trink jetzt erstmal eine heiße Schokolade.“ Ich beobachtete ihn skeptisch. „Wer weiß, was er gesehen hat …“ Er verabschiedete sich noch knapp bei Ela, worauf Sir Levi warnend hinzufügte: „Aber Vorsicht – nicht zu heiß.“ Cani fixierte den davoneilenden Statthalter und murmelte: „Oha… hoffentlich sagt er nicht alles unserer werten Herzogin.“
Ich verschränkte die Arme und meinte: „Ich vermute eher, da haben andere ihre Hände im Spiel. Aber wir sind nun einmal die erste Anlaufstelle, weil jeder weiß, wer wir sind …“ Sir Levi nickte mit dieser stoischen Ruhe, die er so gut beherrschte: „Das ist der Weltenlohn, werter Elyion.“ Cani stimmte leise zu. „Ja, da hast du recht. Und ich bin froh darum — besser, als wenn den Bewohnern dieses Landes noch Schlimmeres geschieht.“
Ich
schnaubte und zeigte auf die Frösche, die immer noch träge über unseren
Stand hüpften. „Also… Schlimmes passiert doch jeden Tag. Diese Frösche
hier … das erinnert mich an eine alte Geschichte …“ Sir Levi schaute
mich an, als wäre ich gerade dabei, eine düstere Prophezeiung
einzuleiten. „Die Frösche?“, „Erwarten uns auch Plagen?“, fragte ich.
Frekya hob sofort den Finger. „Ich war’s nicht!“ „Ach das“, murmelte Levi. Cani seufzte. „Hoffen wir, dass es nicht so kommt.“ Ich sah zu Frekya hinüber. „Waren das nicht eure?“ Sir Levi ergänzte trocken: „Ja — einen Plagegeist haben wir.“ Frekya blies die Backen auf.
In Hörweite hockte der Statthalter unterdessen im Café bei Ela, wo gerade die heiße Schokolade serviert wurde. „Uhu, einmal heiße Schokolade für den Herrn — Vorsicht, ist heiß“, sagte Ela freundlich. „Danke, Lady Ela“, brummte Primus, nahm die Tasse entgegen und fragte prompt: „Habt Ihr vielleicht den Knaben gesehen?“„Knaben?“, wiederholte Ela irritiert. „Da hinten, kurz vor dem Schneiderladen?“ Ela winkte ab. „Nee, war mit Eurer Schokolade beschäftigt.“ „Das war schon etwas früher“, beharrte Primus. „Ach so. Hab’ net so aufgepasst. Außerdem kuck ich keinen Männern hinterher — auch wenn sie noch klein sind.“
Primus
nickte zustimmend, deutete über seine Schulter und fragte schließlich:
„Wisst Ihr, was der Auflauf dort soll? Irgendwie erscheinen Magus und
seine Gattin besorgt und aufgebracht.“ Ela winkte ab. „Ich hab keine
Ahnung, hab aber mit meinen Sachen genug zu tun. Außerdem versteh ich
Zauberers eh meistens net.“ Primus murmelte triumphierend: „Ah! Hab
ich’s mir doch gedacht — es geht um Zauberkram.“ Dann, als müsse er sich
selbst bestätigen: „Ich könnte darauf wetten, der kleine Schmierfink
hat da auch was mit zu schaffen.“ Ela hob nur eine Augenbraue. „Hmmm.“
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| Die Worte der Wahrsagerin bewahrheiten sich: Drohende Unwetter über Carima! Gemalt vom Pinkelchronisten |
Frekya stand neben uns, bohrte genüsslich in der Nase und tat so unbeteiligt, als ginge sie das alles überhaupt nichts an. „Aha!“, sagte ich und sah sie scharf an. „Waaas jetzt schon wieder? Immer ich!“, beschwerte sie sich, stampfte auf und schmollte. Sir Levi blieb gelassen. „Na, na — nicht den Stein kaputt machen. Der hat euch nichts getan.“ Ich verschränkte die Arme. „Niemand sonst hatte solche Viecher im Angebot …“ Der Tonfall war bewusst vorwurfsvoll.
Cani
seufzte und schüttelte den Kopf. „Vielleicht solltet ihr euch etwas
beherrschen, wenn man euch dementsprechend ernst nehmen soll.“ Levi
murmelte grinsend: „Zum Glück bin ich es mal nicht.“ Ich nickte knapp.
„Oh ja … ich sehe noch eine sehr lange Zeit als Novizin vor euch.“
Frekya schoss einen Popel lässig in die Gegend. „Ich habe diese Frösche noch nie zuvor in meinem Leben gesehen“, log sie mit der Selbstüberzeugung eines Schamanenlehrlings, der glaubt, der Himmel höre nicht zu. „Nicht nur du, Elyion“, sagte Cani ernst. „Ich sollte vielleicht auch mit der Schamanin darüber reden.“ Ich grinste zu Cani hinüber. Meine Frau grinste zurück und nickte wissend.
Sir
Levi kaute gerade genüsslich auf einem Stück Trockenfleisch herum, als
er mir einen Streifen hinhielt. „Bestimmt sind die alle angeleckt“,
meinte er trocken. Frekya fuhr sofort in die Luft wie ein
aufgeschreckter Spatz, wild fuchtelnd. „Natürlich sind die alle
angeleckt! Der doofe Schmied hat ja alle meine Frösche abgeschlabbert!“
Und damit verriet sie sich endgültig selbst.
Levi lachte. „Ach ja, die Geschichte.“ Ich schüttelte grinsend den Kopf. „Ihr könntet glatt die Handlangerin von Nichneven sein … nur fehlt euch noch etwas der Pfeffer—äh, die Pfiffigkeit. Der Fuchs steht euch doch nicht so ganz gut.“ Ich seufzte gespielt und grinste dabei über beide Ohren.
Frekya
grummelte beleidigt, das Näschen krausgezogen wie jemand, der ertappt
wurde und gleichzeitig hofft, niemand merkt es. Levi sah zu mir. „Was
mit dem jungen … jungen Fuchs noch wird. Sie hat ja noch Zeit zum Üben.“
Ich musste so laut lachen, dass es über den ganzen Marktplatz hallte.
Cani hingegen wirkte plötzlich sehr ernst. „Schade, dass sie nicht unsere Schülerin ist … ich wüsste schon eine passende Strafe für sie.“ Ich verschränkte die Arme und sah bedeutungsvoll in die Runde. „Gut, aber sie weiß jetzt immerhin Bescheid über Niffelchen …“ Ich nutzte absichtlich Frekyas Kosenamen für Nichneven und grinste dabei.
Sir Levi hob eine Augenbraue. „Und was machen wir jetzt mit ihr?“ Kaum gesagt, ergänzte er scherzhaft: „Auspeitschen, wegsperren …“ Frekya blickte hektisch zwischen uns hin und her — ihre Augen wurden immer größer. Cani sah besorgt aus. „Das gefällt mir ganz und gar nicht … sie ist so jung und unerfahren.“
„D–d–das
… das wagt ihr nicht!“, stotterte Frekya. Levi setzte noch einen drauf:
„An den Baum binden — mit den Ohren.“ Cani grinste und spielte mit:
„Oder an den Pranger.“ „Also wirklich …“, murmelte ich, als sich Frekya
hastig die Hände auf die Ohren presste. Levi grinste zu mir herüber.
„Leute!“, rief ich schließlich. „Diese junge Lady wird einmal eine der mächtigsten Schamaninnen der Amazonen sein! Sie wird Susi vielleicht sogar in den Schatten stellen!“ Levi nickte. „Aber bis sie etwas in den Schatten stellt, dauert das noch etwas.“
Frekya drehte selbstbewusst den Finger in der Luft. „Genau!“ Levi setzte an: „Bis dahin …“
Cani beendete den Satz: „… tun mir Susi und alle anderen leid. Sie
scheint sehr unbewusst mit allem umzugehen.“ „Jetzt, wo…“ — Levi atmete
tief durch, als würde er ein gefährliches Wort anfassen wollen — „… Niffelchen angepiekt worden ist.“
Ein Moment Stille.
Cani
nickte seufzend. „Es sieht ganz danach aus.“ Frekya wurde sofort
kleiner, ihr Selbstvertrauen verschwand schneller als die Regenpfütze
auf dem Boden. Ich legte den Kopf leicht schräg und sagte mit einer
Stimme, die ich sonst für angehende Magier nutze: „Wir waren alle mal
jung. Unerfahren. Undiszipliniert. Verrückt und unausgegoren … voller
Angst … verzweifelt … scheinbar machtlos.“
Ich deutete auf Frekya. „Aber seht dieses junge Ding! Aus ihr wird
einmal etwas Großes werden. Sie wird Schicksale bestimmen, Schicksale
brechen und neue erschaffen!“
Sir
Levi nickte: „Das nennt man dann Schicksal.“ Und wie immer schob er
hinterher: „Früher oder später haben wir alle es zu etwas gebracht.“
Primus Caproni seufzt: Große Worte ^^
Elyion Arai: ((war das jetzt ooc ... Herr Statthalter? :P))
Primus Caproni: ((nee ich hab ic gefrotzelt ))
Elyion Arai: ((ah jaaaaaaaa :P))
Leviathan Blackadders: ((haha))
Frekya Vanderbor: ((kichert))
Cani seufzte und meinte ruhig: „Und bis dahin sollte sie sich zu Herzen nehmen, was man ihr sagt.“
Dann beugte sie sich zu Frekya hinunter und sprach leise, fast schon
beschützerisch: „Sollte euch je etwas bedrohen, werden wir euch schützen
— wenn eure Schamanin nicht zugegen ist.“ Levi nickte bestätigend.
Frekya sah uns mit großen Augen an und nickte langsam zurück, als würde
sie jeden Satz einzeln verdauen.
Vom
Café her erklang Primus’ Stimme: „Lady Ela, bevor hier noch die ganz
großen Reden geschwungen werden, ziehe ich mich besser zurück.“ Eine
weise Entscheidung, wenn man bedenkt, dass er kurz zuvor einen wilden
Pinkler gejagt hatte und fast von Frekya gegrillt worden wäre. Primus
wandte sich an Ela: „Was bin ich euch für die leckere Schokolade
schuldig?“ Ela winkte ab. „Lasst gut sein, Herr.“ Primus bedankte sich
und verabschiedete sich höflich.
Cani
fuhr währenddessen fort: „Ihr denkt, wir sind streng. Das mag stimmen …
doch hat es einen Grund. Damit ihr lernt — und sicher seid. Selbst wir
lernen immer weiter.“ „Hätten wir das auch geklärt“, kommentierte Levi
trocken.
Ich räusperte mich schließlich, stellte mich ein wenig gerader hin und erklärte: „Wenn diese junge Dame die Nachfolgerin von Susi ist, dann hat das seine volle Berechtigung. Vergesst nicht — das Urteil der Amazonen war mir immer von höchstem Wert. Früher, als ich noch in anderen Landen weilte, waren wir eng verbunden. Auch heute gilt mein Vertrauen ihnen wie eh und je.“
Frekya
meldete sich leise zu Wort: „Ich hoffe doch, dass meine Meisterin uns
noch lange erhalten bleibt. Die Nachfolge ist noch in weiter Ferne.“
Levi grinste und suchte nach einem passenden Wort: „Wir zweifeln ja
nicht, dass sie mal etwas ganz Tolles macht, aber im Moment ist sie noch
etwas … wie soll ich sagen …“ Cani half aus: „Unbeholfen?“ „Ja,
ungeschickt“, ergänzte Levi.
Ich
nickte zustimmend und meinte mild: „Das wird schon noch …“ Ein seliges
Lächeln schlich sich in mein Gesicht. Manchmal muss man an die Zukunft
glauben, selbst wenn sie gerade noch mit Fröschen um sich wirft.
Levi
rückte etwas näher, die Stirn in Sorgenfalten. „Gut … was wolltet ihr
jetzt noch wissen bezüglich des …?“ Ich hob das Kinn leicht. „Ja. Ihr
kennt das Buch ja, wie man an Eurem etwas … nun … ausgedehnten Ausbruch gesehen hat.“ Levi schnaubte leise. „Ich muss nachsehen, ob es fehlt.“
Hoffentlich war es noch da ...
„Warum liegt so ein gefährliches Buch unachtsam an einer Eiche mitten in der Stadt?“, fragte ich. „Das stinkt doch nach einer Falle.“ „Einerseits wäre es sehr schlecht, wenn es nicht an Ort und Stelle wäre“, meinte Levi nachdenklich. „Andererseits hoffe ich sehr, dass es fehlt — und es nicht noch ein weiteres Exemplar gibt. Eigentlich sind solche Bücher gesichert in der Bibliothek.“
„Es war
gesichert“, murmelte ich. „Und ist es … immer noch.“ Cani verschränkte
die Arme. „Dann solltet ihr, wenn ihr zuhause seid, gleich nachsehen, ob
eines eurer Bücher fehlt, Levi.“ Ich holte kurz Luft. „Also … soll ich
es Euch zurückgeben? Das Handbuch zur Zerstörung der Welt … stimmt die Übersetzung überhaupt?“
„Ihr meint, Niffelchen hat das Buch genommen, um die Weltherrschaft an sich zu reißen?“, fragte Frekya vollkommen ernst und bekam große Augen. Cani blickte mich warnend an. „Gesichert? Hast du wieder—“ Ich hob eine Hand. „Ich vermute, Nichneven wollte es öffnen, aber es ist gesichert. Ich hab’s dir doch erzählt.“
Levi
nickte knapp. „Das könnte …“ Er sah wieder zu mir. „Ihr sagt, es ist
noch geschlossen?“ Cani bestätigte es leise. „Ja, stimmt.“ „Gibt es
Spuren an dem Buch?“, fragte Levi. „Natürlich war es noch zu, ich hab’s
doch gezeigt“, antwortete ich. „Aber ja, es war etwas ramponiert.“ Levi
verschränkte die Arme. „Das Buch ist so gefährlich, dass es einen
Schutzzauber erhalten hat. Wer nicht befugt ist, kann es nicht öffnen.
Versucht man es zu oft, verschwindet es.“
Ich blinzelte. „Und ich habe es dann gefunden?“, „Ich glaube nicht, dass es eine gute Idee ist, das Eigentum der Akademiebibliothek zu zerstören“, sagte Levi nüchtern. Cani beugte sich zu mir. „Ich frage mich, ob es sich überhaupt so einfach zerstören ließe.“
Ich seufzte. „Nun gut. Ich habe nur manuell
versucht, es zu öffnen. Nicht magisch.“, „Ihr solltet es nicht
versuchen, werter Freund“, mahnte Levi. Frekya hob die Hand. „Also ich
mache immer alles kaputt, aus Versehen. Vielleicht könnte ich es mal
probieren!“ „Nein“, knurrte ich. „Ich gebe es jetzt einfach euch zurück,
ja?“
Cani
fiel ein: „Vielleicht solltest du es mir lieber geben.“ Levi beugte
sich erneut vor. „Die Spuren … wer hat sich daran zu schaffen gemacht?
Bestimmt gewisser jemand. Oder?“ Cani wandte sich ernst an Frekya: „Von
solch einem Buch solltet ihr, bis ihr völlig ausgelernt seid, besser die
Finger lassen.“, „Und auch danach“, ergänzte Levi. „Menno …“, machte
Frekya und ließ die Schultern hängen.
Ich rieb mir die Stirn. „Also … dann untersucht es doch. Meine Güte.“, und griff bereits nach dem Buch, um es hervorzuholen.
Levi sah mich prüfend an. „Könnt Ihr es verstecken, bis wir das geklärt haben?“ Ich zog die Augenbraue hoch. „Wieso ich?“, „Ich will es nicht in die Bibliothek bringen“, erklärte er. „Offenbar gibt es dort einen unbemerkten Zugang. Und Ihr seid doch der Meistermagier.“ Ein schiefes Grinsen huschte über sein Gesicht.
„Pah!“, meinte ich. „Dann bringe ich es eben in die Kammer des Ewigen Nichts!“ Cani hob beschwichtigend die Hand zwischen uns. „Gebt es mir. Bei mir wird es sicher sein. Und gut versteckt.“ Levi nickte. „Gute Idee. Dort wird das Raunen nicht bis hierher dringen. Oder so.“ Ich überlegte kurz. „Ja… bei Cani ist es ebenfalls sicher.“
Ich reichte Cani das Buch, der es mit einem tiefen Atemzug entgegennahm und umgehend sicher verstaute.Dann wandte ich mich scharf zu Frekya. „Und Ihr… Novizin!“ Sie blinzelte. „Soll ich die Dämonin noch mal pieken?“ Bereits machte sie Anstalten, ihren Stab vom Rücken zu ziehen. „Wehe Euch!“, fuhr ich sie an. „Unüberlegtes Verhalten trage ich Euch nach — und zwar so lange, bis Ihr es gelernt habt!“ Sie zuckte zusammen. „Menno… nix darf man.“
„Habt Ihr Susi inzwischen unterrichten können?“, hakte ich nach. „Ja, sie war gestern hier“, antwortete Frekya. „Ah. Das hättet Ihr auch eher sagen können.“ Cani murmelte etwas von Tavernen-Gesprächen und späterem Erzählen. Frekya ergänzte, ihre Meisterin sei morgen bei der Audienz wieder anwesend.
Ich atmete tief durch — und dann wurde meine Stimme eiskalt: „Und sollte ich Euch noch einmal dabei erwischen, Blitze auf unschuldige Bewohner abzufeuern, sorge ich dafür, dass Ihr einen Monat lang als Hausspinne mein Atelier von Ungeziefer freihaltet!“
Levi prustete beinahe los. Cani nickte zustimmend. „Ihhhh, ich hasse Spinnen!“, jammerte Frekya. „Fürwahr“, sagte ich trocken, „ich bin ein Meister der Verwandlung.“ „Geht da nichts anderes?“, quengelte sie. „Vorsicht“, warnte ich ruhig. Levi schlug lachend eine Ratte vor. Cani kicherte.
Ich hingegen sah beide bitterernst an. „Ich bitte Euch, die Sache ernst zu nehmen!“
Die Neckereien ebbten nur langsam ab. Schließlich stampfte ich mit dem Fuß auf — und die Erde erzitterte spürbar. „Ich bitte um Selbstbeherrschung!“ Im selben Moment zuckte Frekya erneut zusammen — ein Blitz schoss aus ihrem Stab gen Himmel, und augenblicklich setzte Regen ein.
Levi murmelte etwas und verschwand, halb lachend, in Richtung Gilde. Cani hielt beschwichtigend die Hand gegen Frekyas Stab, der merklich zu zittern begann. Ich errichtete rasch eine Schutzbarriere um mich. „Ich habe genug von diesem Ärger!“
„Ich muss ins Bett!“, rief Frekya und flitzte — schneller als man es erwarten sollte — in die Taverne davon. „Ich gehe jetzt auch. Verdammt“, knurrte ich und wandte mich ab. Levi kündigte an, die Bibliothek zu überprüfen. Cani sprach von Ruhe. Gute-Nacht-Wünsche wurden gemurmelt.
Aus der Taverne grollte kurz darauf noch einl Donner — gefolgt von einem empörten Fluch. Ich seufzte. „Die arme Wirtin …“ Cani nickte leise. „Ja … du hast recht.“


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