Den Gedanken an das seltsame Buch schob ich vorerst beiseite und sah zu Frekya hinüber, als sie mir zwei Säckchen Sand in die Hand drückte: „Oh, bevor ich es vergesse – wir haben hier Vergleichssand aus Amazonien, vom schwarzen Berg“, erklärte sie und reichte mir die beiden Beutel, „und aus dem Sanktum.“
Canidio kam in diesem Moment dazu, blieb kurz hinter Frekya stehen. Sir Levi und Blue begrüßten sie, und Frekya winkte ihr freudig zu. „Ah… danke. Alles weißer Sand?“ murmelte ich und fummelte an den Bändern des Beutels herum. „Schwarzer Sand vom Feuerberg!“, korrigierte Frekya eifrig – und im selben Moment hämmerte sie einmal voller Enthusiasmus mit ihrem Schamanenstab auf den Boden.
Was dann geschah, war für mich persönlich ein Weltuntergang. Denn es schüttete! Nicht einfach Regen. Es prasselte vom Himmel wie wie aus Eimern! Und Wasser… war seit dem Drachenvorfall meine größte Schwäche. Schon allein das Wort „Baden“ jagte mir jedes Mal einen Schauer über den Rücken.
Ich hatte Nächte, in denen ich davon träumte, im Regen zu stehen – und klatschnaß aufwachte, aber nur vom Schweiß.
Jetzt stand ich wirklich im Regen. „AHHHHHHHHHHHHHHH!!!!“ Der Schrei entfuhr mir, bevor mein Verstand überhaupt reagieren konnte. Instinktiv bildete sich eine wabernde Schutzblase um mich, die das Wasser von mir fernhielt. Natürlich wurde Frekya trotzdem nass, was sie mit demonstrativem Grummeln kommentierte. Zum Glück hob Canidio die Hand – und der Regen hörte schlagartig wieder auf.
Sir Levi sah verwirrt zwischen Himmel und mir hin und her. „Oh, es frischt auf—“ Dann blickte er direkt zu mir. „Was ist los?“ Ich löste die Blase langsam, Wasser tropfte zischend von ihrer Oberfläche, als ich mich schüttelte wie eine gebadete Katze. Dann sah ich Frekya an. Mit einem vernichtenden Blick, der vermutlich hätte töten können. „Waaaas?“ fragte Frekya mit ihrem unschuldigsten Gesichtsausdruck.
Sir Levi kam näher. Canidio grinste – erst zu mir, dann zu Frekya, dann wieder zu mir. Jungfer Blue verabschiedete sich in den Wald, alle wünschten ihr sichere Wege. Ich brummte nur zum Abschied. Zu mehr war ich in diesem Moment nicht fähig.
„Zurück zu Nichneven …“, begann ich schließlich, als ich mich wieder von dem Regenguß erholt hatte. Bei dem Namen horchte Canidio auf, ballte die Faust und murmelte: „Nicht schon wieder die.“
Frekya zuckte sichtlich zusammen, als wäre allein der Klang des Namens ein Omen. Ich atmete kurz durch. „Ich habe das Ergebnis der Untersuchung der Brandspuren. Die Flüssigkeit hat sich verfärbt und ließ nur ein Ergebnis zu …“
Canidio warf Frekya einen prüfenden Blick zu, offenbar irritiert vom allzu lebhaften Umgang mit dem Stab. „Hmmm …“. Sir Levi verschränkte die Arme. „So. Und lasst mich raten, was Ihr herausgefunden habt. Es ist kein Drachenfeuer.“, „Ja … es war lila …“, bestätigte ich. „Die Göre?“, murmelte Canidio leise. „Ohhh, mir ist ganz duuuselig“, jammerte Frekya. Ich nickte. „Ja, es war kein Drachenfeuer. Dann würde die Flüssigkeit rotgold werden.“
Canidio runzelte die Stirn. „Wollt Ihr den Stab nicht besser abstellen, Frekya?“ Sie sah erneut zu mir und hörte weiter zu. Sir Levi seufzte. „Ich hab’s befürchtet.“ Er sprach den Gedanken aber nicht aus, aber man konnte es in seinem Gesicht lesen. Dann zuckte er plötzlich und sah mich direkt an.
Und genau in diesem Moment – als mein Kopf ohnehin schon voll war mit Regen, Brandspuren und Dämonenrätsel – brüllte Frekya piepsig: „Ergib dich, Niffelchen! Ich b-b-bin eine große Zitrone… öhm, Amazone!“ Bevor ich reagieren konnte, piekste sie mich mit dem Stab in den Bauch. Ich starrte sie einfach nur an. Entgeistert. Wortlos. Mit einem Dampfen aus den Ohren.
Sir Levi beugte sich leicht zu mir hinüber und maulte leise: „Mit Euch stimmt doch was nicht.“ Canidio war ebenfalls näher gekommen. Ich merkte, wie sie Frekya und vor allem den viel zu aktiven Stab im Auge behielt. Dann machte es plötzlich ZAPP – und alles, was ich an Essen oder Trinken dabei hatte, verwandelte sich schlagartig in etwas, das geschmacklich irgendwo zwischen Essig und sauren Drops lag. Ich starrte Frekya nur doof an. Zum Glück hatte ich heute nur Rattenchips dabei. Die waren so furztrocken, die überlebten sogar einen Vulkanausbruch.
Doch meine Reaktion hatte nichts mit Frekya zu tun. Sir Levi hatte längst bemerkt, dass mich etwas beschäftigte. Dass ich etwas gefunden hatte. Und dass irgendeine Art von magischem Rest an mir haftete, der dort nicht hingehörte.
Ich sah Levi von der Seite an – so, als hätte ich etwas Unverdauliches erwischt und die Wirbel in meinem Hals wären aus Gummi. Er flüsterte: „Ist Euch nicht gut?“ Sein Blick wurde schärfer. „Und was… was ist das an Euch?“ Er musterte mich genauer, fast so, als wäre er versucht, mich anzufassen, um nachzusehen.
Mit einem kurzen Wink deuteteich unauffällig zur Eiche. „Ich fragte doch danach, ob sie da etwas gesucht hat …“ Dann drehte ich mich halb um und prüfte, ob jemand lauschte. Frekya war inzwischen genauso verwirrt wie vorher, nur mit einem noch dusseligeren Blick. „Keine Ahnung. Warum?“ fragte Levi neugierig. „War da was?“
Ich griff in meine Gürteltasche, spürte das raue Leder unter meinen Fingern und holte langsam den Gegenstand hervor, den ich dort verstaut hatte. „Das hier … fand ich dort“, sagte ich leise. „Nachdem ich meinte, die Präsenz von Nichneven zu spüren …“
Sir Levi schüttelte sich sofort, als würde ihm ein Schauer über den Rücken laufen. Canidio sah zu dem Buch hin und seufzte. Eine dieser Reaktionen, bei denen ich immer weiß, dass sie Schlimmes ahnt. Levi dagegen ließ regelrecht den Unterkiefer fallen und starrte mich mit riesigen Augen an. „Was ist das?“ fragte Frekya, die den Ernst der Lage offensichtlich nicht einmal erkannt hatte.
Levi rang bereits nach Worten. „S–so etwas… haltet Ihr in den Händen?“ Er wirkte, als müsse er gleichzeitig Luft holen, fluchen und rückwärts wegrennen. Canidio bekam bei dem Anblick eine Gänsehaut und ließ Frekya nicht mehr aus den Augen. Die richtige Reaktion, dachte ich. Das letzte, was wir jetzt brauchten, war noch ein spontaner Stabzauber mit einem weiteren unliebsamen Wetterumschwung.
„Das lag an der Eiche?“ fragte Levi und schaute mich an, als wäre ich vollständig übergeschnappt. „Meine groben Übersetzungskenntnisse sind nicht die allerbesten“, erklärte ich ruhig, „aber ich würde sagen, der Titel heißt so ungefähr: Wie man zum Meister wird, um die Welt zu zerstören? Oder nicht?“
Ich sah zu Levi, der genau wusste, worum es ging. Instinktiv versteckte ich das Buch hinter meinem Rücken unter meinem Umhang. Man weiß ja nie, wer gerade mitliest. Oder mithört. Levi presste die Lippen kurz zusammen. „Ich hoffe sehr, dass es nur ein Exemplar davon gibt … und ja, die Übersetzung ist fast richtig.“
Da kam unverhofft der Statthalter Sir Primus über den Marktplatz gerannt. „Halt! Stehenbleiben!“ brüllte er, dass selbst die Blätter der Markteiche erstarrten. Canidio fuhr zusammen. Sir Levi drehte sich um, um zu sehen, wer da so herumschreit. „Wachen!“ rief der Statthalter weiter.
Frekya kreischte „IIIIIIIIKKKKKKKK!“ drehte sich ruckartig um und begann, völlig kopflos, Blitze um sich zu schleudern. Natürlich. Canidio versuchte sofort, die Blitze nach oben abzulenken, aber es waren zu viele. Ich nutzte den Ring an meiner Hand und schneller, als man sehen konnte – pling, pling – lenkte ich die Blitze funkensprühend ab, die Canidio nicht erwischt hatte.
Primus brüllte weiter: „RÄUBER! DIEBE! Biessler!“. Sir Levi hob schützend den Arm, als Canidio scharf sagte: „Gebt mir besser den Stab, Frekya, bevor Ihr ganz Carima einäschert!“ Frekya fauchte nur, hielt ihren Stab aber noch fester.
„Und was hat das nun mit Nifferlchen auf sich und dem Buch?“ fragte sie mitten im Chaos, als wäre das hier eine gesellige Teepause. Ich sah irritiert in Richtung der Geräuschquelle. Sir Levi spitzte die Ohren. „Hört sich an wie der Statthalter. Warum schreit der so?“ „Der hat bestimmt wieder zu tief in den Becher geschaut …“, mutmaßte ich. „Das wäre möglich“, meinte Levi in meine Richtung, ohne den Blick von Frekya zu nehmen.

„Gebt mir den Stab, Frekya“, sagte Canidio nun ernst und leise. „Ich habe das Gefühl, Ihr könnt noch nicht mit ihm umgehen.“ Ich nutzte die Gelegenheit und schob das Buch schnell in eine Rückentasche am Gürtel, möglichst unauffällig. „Nee, den muss ich wieder in die Kiste in Susis Jurte tun“, knurrte Frekya und klammerte sich an ihren Stab. „Der ist meeeeins.“ Canidio wurde noch ernster. „Ihr wollt doch sicher nicht, dass ich Susi sage … dass Ihr ihn hier dabei hattet.“
„Neee“, beharrte Frekya und hielt den Stab noch fester. „Den gebe ich nicht her. Das ist meiiiiiiins.“ Canidios Augen verengten sich: „Dann werde ich ihn vernichten – und er wird in Eurer Hand zu brennen beginnen … wenn Euch das lieber ist, Frekya.“, „Dann wirst du dir von Susi aber was anhören müssen“, murrte Frekya trotzig.
„Aber besser, als wenn Ihr damit hier Unheil treibt“, erwiderte Canidio und blieb hart. Frekya zog eine Schnute und grummelte. Sir Levi schlug schließlich eine diplomatische Lösung vor. „Hängt den Stab doch auf den Rücken. Dann passiert nichts.“, „Na gut … auf den Rücken“, gab Frekya nach. „Aber ich gebe ihn nicht her. Den brauche ich, um mich zu verteidigen!“
Canidio nickte. „Gut. Da bleibt er, bis Ihr zuhause seid. Und ich werde die Tage mit Susi darüber reden.“, „Ely wird nicht nass und wir werden nicht gegrillt. Gut“, meinte Sir Levi trocken. „Auf den Rücken damit. Hop hop.“, „Jeder von uns musste lernen … ob er wollte oder nicht“, sagte Canidio. „Doch Ihr seid noch zu jung für so einen Stab.“ Frekya befand sich sichtlich in einer Trotzphase. Canidio beugte sich leicht zu mir und tuschelte: „Sie ist wie ein kleines Kind, dem man das Spielzeug abgenommen hat.“
„Wo waren wir stehen geblieben?“ fragte Sir Levi, nachdem Frekya endlich ihren Stab auf den Rücken gezwungen hatte. „Es ist ein Buch mit sehr gefährlichem Inhalt.“, „Nur, da kommt keiner ran“, erwiderte ich lapidar.
Primus donnerte in diesem Moment schon wieder über den Platz: „WO ist er?!“ Levi fuhr unbeirrt fort: „Ich würde sagen: mehr als gefährlich.“ Ich sah zum Statthalter hinüber. „Oh… Statthalter… wer?“,„Wo ist wer?“ fragte Levi zurück. „Der Wildpinkler!“ rief Primus empört. „Ich hätte ihn fast erwischt! Sozusagen in flagranti!“ Ich runzelte die Stirn und musterte ihn. Canidio begrüßte ihn höflich: „Oh, seid gegrüßt, werter Sir Primus… ähmmm, hier ist er nicht.“ Levi bestätigte: „Hier ist er nicht.“
„Das gibt es doch nicht!“ schnaubte der Statthalter. „Kala Strapshalter“, sagte Frekya fröhlich – und wurde sofort von Canidio streng ermahnt: „Frekya!“ Primus ließ sich davon nicht irritieren. „Der kann sich doch nicht in Luft auflösen! So ein Mistfink!“ „Habt Ihr wieder zu tief in den Krug geschaut?“ fragte Levi trocken. „Ich bin stocknüchtern!“ verkündete Primus entrüstet. „Wenn Ihr das sagt“, meinte Levi nur.
Ich hob schließlich die Stimme und fragte: „Und wo bitte schön ist das passiert … Statthalter?“ Danach hatte der Statthalter eine Art Aussetzer, und etwas Seltsames passierte ...
Die OOC Einlagen wollte ich ursprünglich nicht posten. Aber nun ... das muss leider mit rein:
Elyion Arai: Primus? *äugt zum Statthalter, der erst wie eine Furie war und nun schweigt wie ein Grab* .jpg)
Keine Reaktion. Warten auf Godot ...
Elyion Arai: ((also wenn die Katzen jetzt wieder gekotzt oder gekackt haben, kriegst du ein Lehrvideo :P -->@Primus))
Leviathan Blackadders: *zu Primus äugt* ((lol))
Frekya Vanderbor: ((hahahahaha ich schmeiß mich gerade mal weg vor Lachen))
Meist waren die Katzen daran schuld, wenn der gute Primus hastig vom PC verschwand und keine Rückmeldung mehr kam. Ein paar Minuten später ...
Primus Caproni: ((Nee das nicht, aber ich bin etwas derangiert, war schon mal eingeschlafen vorhin und steh gerade etwas auf der Leitung ))
Leviathan Blackadders: ((ups blöder Arbeitsstress))
Frekya Vanderbor: ((oh je also zerknittert))
Weiter geht es. Primus ist wieder da und sieht Frekya mit dem Schamanenstab.
Primus Caproni: Sagt Lady Canidio, ist das nicht der Stab eures Gatten?
Ups ...
Primus Caproni: (( Ohhh neeee halt zurück! Den Satz bitte streichen :-) lol der Stab eures Gatten ^^ hahahahahahahah))
Canidio Arai: ((oki))
Leviathan Blackadders: ((Okay))
Primus Caproni: (( oh nee nach müd kommt schläd sagen sie hier im Dorf ))
Leviathan Blackadders: ((na hoffentlich nicht grööööhl))
Elyion Arai: ((Zum Glück ist Lennard nicht hier ...))
Primus Caproni: ((ich seh nix mehr. Ich hab Tränen vom Lachen in den Augen))
Canidio Arai: ((Hahahaha))
Leviathan Blackadders: ((löl))
Alle waren vom Lachflash paralysiert. Doch dann wurde das Thema ausgebaut.
Elyion Arai: ((Diese Annekdoten veröffentliche ich nicht, sonst heißt es wieder Carima ist versaut :P))
Canidio Arai: ((Pfeiffft und seh unschuldig hin und her))
Frekya Vanderbor: ((Ich verstehe nur Bahnhof))
Elyion Arai: ((Sehr gut!))
Frekya Vanderbor: ((Menno))
Leviathan Blackadders: ((Gug in die Luft. Bin ned versaut, nur Ely ist ungewaschen))
Elyion Arai: ((gepudert.. frisch wie ein Babypopo!!!))
Leviathan Blackadders: ((hahaha jetzt wirds klar...))
Dann der Versuch, zurück zum Thema:
Elyion Arai: Also.. Herr Statthalter? Was ist denn passiert? ((das man nach Geschrei einpennt)) Vielleicht solltet Ihr doch ins Bett gehen.. es war sicher nur ein Albtraum ...
Primus Caproni: Nix da! Kein Albtraum!
Elyion Arai: Sicher?
Und dann passiert es doch noch einmal:
Primus Caproni: da war ein junger Stift, der mit seinem Stift gerade dabei war ...
Primus Caproni: (Och nööö ... löl))


















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