Freitag, 21. Februar 2025

Der große Markt - Teil 3

Gerade als man glaubte, der Markt hätte seinen Höhepunkt erreicht, erschien die Herzogin höchstpersönlich! Ihr Besuch war einerseits eine Ehre, andererseits aber auch eine heikle Angelegenheit – schließlich konnte niemand voraussagen, wie sie auf gewisse Waren oder unerwartete „Kunstwerke“ reagieren würde.

Heikle Werbung

Die Händler waren plötzlich noch etwas aufmerksamer, die Marktbesucher wichen ehrfürchtig zur Seite, und ich? Ich hoffte inständig, dass sie nicht allzu genau hinsah... Aber kommen wir noch zu den Ereignissen, die davor stattfanden ...


Und wieder drehte sich alles um Wischrollen und Rattenspieße

Sir Levi inspizierte mit prüfendem Blick meinen Stand, dann deutete er auf eine der Rollen. „Habt Ihr neue Papiere gemacht?“ Ich nickte mit einem breiten Grinsen. „Ja, das sind die Wischrollen ohne Nebenwirkungen. Da leuchtet nur die Rolle.“



Georg, der Schmied, trat gerade heran und brach in schallendes Gelächter aus. „Elyion, deine Rollen mit den Vogelstimmen sind doch alle für den Arsch!“ Ich hob mahnend die Hand. „Natürlich sind die... äh... bitte nicht so vulgär! Die Herzogin mag das nicht!“


Doch noch bevor ich weiter über die Raffinesse meiner Erfindung sprechen konnte, lenkte ich das Thema geschickt um. „Na, Schmied... auch einen Grillspieß?“ Georg musterte das Fleisch am Grill, doch sein Blick wanderte weiter zu Canidio. „Lady Canidio, was verkauft Ihr?“ Canidio begrüßte ihn mit einem Lächeln. „Seid gegrüßt, Georg... wollt Ihr ein Stück leckeres Fleisch kosten?“ Der Schmied staunte: „Ich setze mich gleich in die Taverne... gibt es hier auch Fleisch?“ Ich deutete mit einem ausladenden Schwung auf meinen Grill. „Aber natürlich! Hier bei mir!“



Georg nickte anerkennend. „Ja gerne, ich nehme etwas leckeres Fleisch.“ Canidio lächelte. „Versucht es einmal... Ihr werdet begeistert sein.“ Ich reichte dem Schmied einen frisch gegrillten Rattenspieß und grinste. „Wohl bekomms!“ Der Schmied nahm einen ersten Bissen, schien jedoch nicht ganz sicher, was er da gerade aß.



Ich konnte mir ein schelmisches Grinsen nicht verkneifen. „Wollt Ihr noch etwas für Euren A... Allerwertesten?“ fragte ich unschuldig. Doch Georg hatte bereits anderes im Sinn. „Ich gehe zu meinem Stand. Falls jemand Waffen oder Hufeisen braucht!“


Der Schamanenstand

Während ich noch überlegte, ob ich meine Wischrollen nicht um eine weitere exotische Sorte erweitern sollte, fiel mein Blick auf die Amazonen. Sir Levi schielte bereits neugierig zu ihrem Stand hinüber, wo allerlei Merkwürdiges feilgeboten wurde. Susi, die Schamanin, breitete mit einer einladenden Geste die Arme aus. „Sagt eine Krankheit, und ich suche euch das passende Mittel dagegen raus oder küsst einen Frosch, so könnt ihr einen Prinzen bekommen.“

Leviathan schnaubte. „Ich habe einen nervenden Furunkel am Hintern. Was soll ich mit einem Prinzen?“ Susi grinste. „Ja, das weiß ich nun auch nicht. Aber ihr könnt ihm einen Besen in die Hand drücken, dann kann er wenigstens sauber machen.“ Sir Levi zog eine skeptische Miene. „Ob das gut geht…?“


Ich trat einen Schritt näher und mischte mich ein. „Eine Krankheit nennen? Habt Ihr auch etwas gegen Eitelkeit?“ Leviathan hob belustigt eine Braue. „Wen wollt Ihr um die Ecke bringen, werter Freund?“ fragte er mich mit einem Grinsen. Ich räusperte mich: „Ähm… hüstel…“.

Susi schien ernsthaft darüber nachzudenken. „Eitelkeit… hmm… ich habe ein Mittel, das hässlich macht. Damit hat man dann genug zu tun und ist nicht mehr eitel!“ Ich legte nachdenklich die Hand ans Kinn. „Hmm…“ Dann fiel mir eine Lösung für Sir Levi ein. „Ach ja, alter Freund,“ meinte ich grinsend, „mit etwas Chilipapier brennt Ihr alles am Hintern weg…“


Leviathan verzog das Gesicht. „Ach so, das Chilipapier… nein, lasst mal, werter Freund. So brennend steh ich nicht drauf!“ Susi schien sich nicht beirren zu lassen und schlug prompt eine alternative Heilmethode vor. „Gegen den Furunkel hilft auch ein flacher Stock – einfach kräftig draufhauen, bis er weg ist!“ Levi brummte nachdenklich. „Hm... wo kriege ich nur jemanden her, der das macht…?“


Ich grinste und ging schließlich zu Canidio zurück. „Ich wollte eigentlich etwas anderes wissen… aber Sir Levi bekommt sicher die richtige Hilfe.“ Leviathan, der gerade im Begriff war, sich wieder unters Getümmel zu mischen, hielt kurz inne und warf mir einen kurzen Blick zu, als sein Name erneut fiel.


Die plötzliche Ankunft der Herzogin


Canidio stupste mich unauffällig an und beugte sich leicht zu mir herüber. „Unsere Herzogin ist hier,“ flüsterte sie leise. Ich fuhr zusammen. „Ach du Schreck... die Herzogin!“ Mein Blick wanderte augenblicklich zu meinem Grillstand – und vor allem zu dem unübersehbaren Schild, das stolz mit den Worten „Empfohlen von der Herzogin“ prangte. Hastig klappte ich es um und zog es rasch hinter den Grill. „Hah... sie hat’s nicht gesehen...“ murmelte ich Canidio zu, die mir mit einem leichten Lächeln zunickte.


Indessen verbreitete sich die Nachricht von der Ankunft der Herzogin rasch über den Markt. Lady AnaKathy war eine der Ersten, die sich ehrerbietig verneigte. „Eure Durchlaucht, seid herzlichst gegrüßt. Es ist mir eine Ehre, Euch wiederzusehen, Hoheit.“ Die Herzogin erwiderte freundlich: „Ich freue mich ebenfalls sehr.“



Ich stand unterdessen etwas steif neben meinem Grill, bemüht, nicht allzu auffällig zu wirken. Die Herzogin ließ ihren Blick über den Markt schweifen und sprach schließlich mit einem amüsierten Unterton: „Dank Euch haben wir nun einen stets gepflegten und wohl parfümierten Stadthalter.“


AnaKathy blinzelte überrascht. „Oh wirklich, Hoheit? Ist dem so?“ Sie schien über das Lob erstaunt. „Das ist mir noch gar nicht aufgefallen, nicht dass ich an Euren Worten zweifeln würde, Hoheit.“ Die Herzogin schmunzelte. „Nun, ich werde sicher noch auf ihn treffen. Doch zuerst möchte ich mir die Stände ansehen. Wollt Ihr mich begleiten, Lady Ana?“. „Wie Ihr wünscht, Hoheit. Ich begleite Euch gerne.“.



Und so setzte sich die kleine Prozession in Bewegung, während ich erleichtert durchatmete. Mein Blick wanderte noch einmal zum versteckten Schild hinter dem Grill – hoffentlich blieb es dort unbemerkt.


Einmal um den Marktplatz und wieder zurück

Die Herzogin bewegte sich langsam über den Marktplatz und betrachtete die Stände mit sichtlichem Interesse. Als sie den Käsestand von Luba und der Waldhüterin passierte, fiel ihr Blick auf den Boden. Plötzlich lachte sie herzlich. „Ach sieh an, der Kunstmaler ist wohl doch noch unterwegs,“ bemerkte sie belustigt, als sie die grünen Bilder sah, die hier und da noch die Straßen zierten.

Der Kräuterstand wird als
"Kraut und Rüben" betitelt

AnaKathy folgte ihr wie ein treuer Schatten, stolz, an der Seite der Herzogin zu schreiten. Dann blieb Jil stehen und musterte die feilgebotenen Waren an einem Stand. „Das könnte der Stand des Magus sein,“ überlegte sie laut. Hastig sprang ich hinter dem Grill hervor und verneigte mich tief. Die Herzogin erwiderte die Begrüßung mit einem wohlwollenden Nicken und ließ ihren Blick über die zahlreichen Waren gleiten.



„Was habt Ihr hier alles im Angebot?“ erkundigte sie sich interessiert. Mit einer ausladenden Handbewegung begann ich, die Schätze meines Standes aufzuzählen – von Heilmitteln über exotische Gewürze, Kräuter, Leuchtmittel bis hin zu den allseits bekannten Wischrollen. Während die Herzogin die Gegenstände auf den Brettern prüfend betrachtete, raunte Susi derweil Sir Levi zu, ob ich ihr nun auch mein berüchtigtes singendes Klopapier verkaufen wolle. Levi zuckte nur mit den Schultern.



„Natürlich dürfen auch die berühmten Grillhäppchen nicht fehlen!“ fügte ich hinzu und deutete auf den Grill. „Meine Spezialität – und natürlich Canidios Marmeladen.“ Jil nickte anerkennend, ließ sich aber nicht von ihrer eigentlichen Inspektion ablenken. Ihr Blick fiel auf einen vergitterten Käfig, in dem einige Bücher lagerten. „Warum bewahrt Ihr Bücher in einem Vogelkäfig auf?“


Ich schmunzelte und klopfte gegen das Metall. „Das ist ein Diebstahlschutz! Wer versucht, eines der Bücher zu entwenden, bekommt ein derart brennendes Gefühl in den Fingern, als hätte er einen Zitteraal angefasst!“, „So, so... ein kleiner Zauber also?“ Die Herzogin schmunzelte. „Die Kristalle darin sorgen dafür. Aber sehr effektiv! Ich biete diesen Käfig in verschiedenen Stärken an – ein Dieb wird es sich sicher zweimal überlegen, noch einmal ein Buch zu stehlen!“


Jil nickte anerkennend, doch dann fiel ihr Blick auf eine kleine Flasche mit einem markanten Kreuz auf dem Korken. „Und was ist in dieser Flasche hier?“ „Oh... das ist spezielles Weihwasser gegen böse Omen.“ Die Herzogin hob amüsiert eine Braue. „Sehr interessant.“ Mit einem schelmischen Grinsen deutete ich auf meinen Mund. „Es wirkt gegen Spitzzähne!“ Jil lachte erneut und betrachtete die Flasche mit neuem Interesse.

Fast hätte die Herzogin ein Fläschchen gekauft – und wer weiß, wozu sie es wirklich brauchte. Doch in Carima konnte man ja nie wissen …


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